Es ist hoch interessant zu lesen, wie Herr Zimmermann und seine Kollegen den ihnen anvertrauten Kindern auf vielfältige Weise die Heimat mit ihren Sehenswürdigkeiten nahe gebracht haben. Am 1. Heimatfest 1926 trafen sich in den Kamernschen Bergen etwa 2000 Schulkinder. Herr Willy Zimmermann schreibt unter anderem anschaulich und begeistert:„Aber des Mittags bei der Rast dort am Waldesrand, das war ein lustiges Geplapper des kleinen, rucksacktragenden Völkchens! Ein Fragen und Wissen wollen, ein Plaudern und Scherzen mit ihrem, ach nie so gut er kannten Lehrerfreund. Sagen und Geschichten wurden wieder laut, wie jeweils der Ort den Anlass gab...Und im Unterricht rauscht noch lange ein frischer Strom des Erinnerns und Freuens. Jedes der Fächer kann einen Gewinn buchen“. Als letzte Bemerkung zu den Fahrten erwähnt HerrZimmermann:„Da am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, mussten alle Fernfahrten mit dem Autobus und der Eisenbahn eingestellt werden“.
Es gibt wenige Informationen über den Schulbetrieb in den Jahren des Krieges und der Zeit gleich nach 1945. Später durchgeführte Befragungen von Schülern dieser Zeit brachten folgende Hinweise. Gegen Ende des Krieges wurde die Schule als Lazarett genutzt. Zeugnisse und Schulbücher sind beim Ausräumen verbrannt worden. DieGebäude und das Inventar blieben einigermaßen erhalten.
1945 übernahm Herr Adermann die Leitung der Schule. Um Geld für Lehr-und Lernmittel zu beschaffen, sammelten die Schüler. Heilkräuter. Da nicht ausreichend Lehrbücher vorhanden waren, teilten sich mehrere Schüler ein Buch.
Die Schülerzahl wuchs durch die Kinder der Umsiedler, und so wurden viele Neulehrer eingestellt. 1946 wurden die Räume im Jugendheim auf dem Sportplatz für den Unterricht genutzt. Auch die angrenzende evangelische Kirche stellte einen Raum zur Verfügung. Auf Grund der vielen Schüler und der Raumnot musste der Unterricht im Schichtsystem durchgeführt werden. Es hatte sich eine Vereinigung „Freude der neuen Schule“ gebildet, die eine Verbesserung der Schulsituation anstrebte. Es entstand der Plan, die Lehrerwohnungen in der Schule zu Klassenräumen umzubauen. Jedoch erst 1954 wurde dieses Vorhaben realisiert und damit der Schichtunterricht abgeschafft.
Im Rahmen der Pionierarbeit hatten sich ein Chor, eine Volkstanz-sowie eine Laienspielgruppe gegründet, die viele Veranstaltungen umrahmten. Sportveranstaltungen, Schnitzeljagden, Geländespiele und Wochenendwanderungen prägten das außerunterrichtliche Schulleben. Der Lehrer Horst Kleinsteuber erzielte mit seinen Schülern viele sportliche Erfolge für die Schule. Er war es auch, der 1951 an der Badeanstalt am Baumschulenweg mit Schülern ein Lager aus Strohhütten aufbaute.
Ein Schüler schrieb: „Mit Wandern, Spiel, Sport und Gesang wurde uns der Tag niemals zu lang...“In jedem Schuljahr gehörten Schrott-und Altstoffsammlungen zum Schulleben. Aus den Erlösen wurde 1958 ein Sommerzeltlager in Ferchesar aufgebaut, welches über viele Jahre den Schülern erlebnisreiche Ferientage bescherte. Ab1952 besuchten die Schüler der Klassen 5 bis 8 aus Steckelsdorf, Göttlin und Grütz die Schule in Rathenow-West.
Im Jahre 1955 kamen dann alle Schüler aus den Dörfern in die Zentralschule. Als 1954 die Friedensbrücke eingeweiht wurde, war unser Schulbus das erste Fahrzeug, das die Brücke passieren durfte. 1955 begann Herr Herbert Fortun seine Tätigkeit als Direktor der Schule, die er bis 1978 ausübte. Im gleichen Jahr wurde der Sportplatz unter aktiver Mitarbeit von Eltern, Lehrern und Schülern gebaut.
1964 wurde ein polytechnisches Kabinett im Gebhardtshof durch Umbau einer Scheune wiederum in Eigenleistung errichtet. Vorher fand der polytechnische Unterricht in der Firma Ruhnkeinder Schiffsreparaturwerkstatt statt. Weil 1971 die Kapazität der Schule nicht mehr ausreichte, wurden die Klassen 1 bis 3 und 6 mit Schülern aus den Dörfern an die neuerbaute „Erich-Weinert-Oberschule“ abgegeben. Im Jahre 1975 konnten dann endlich durch die Einrichtung des Zwischenbaues die beiden alten Schulgebäude miteinander verbunden werden. In ihm waren zwei Fachunterrichtsräume, eine Heizung und der ersehnte Sanitärtrakt untergebracht. Zwei Jahre später waren die umfangreichen Umbauarbeiten abgeschlossen. DerSchulhort zog in die Schule ein und die Horträume nutzten die Schüler als Werkräume.
1978 konnte dann unsere Schulturnhalle in Betrieb genommen werden, was erheblich den Sportunterricht verbesserte. Im Jahre 1978 übernahm Herr Heinz Goldau die Leitung der Schule, die er bis 1994 führte. 1979 wurde der Schule der Ehrenname „Karl-Liebknecht-Oberschule“ verliehen. Zu erwähnen ist auch, dass unsere Schule seit 1970 einen Patenschaftsvertrag mit dem VEBReißverschlusswerk Rathenow pflegte und viele Klassen mit einer Patenbrigade in Verbindung standen. Herr Dr. Rawolle, der Leiter des Werkes und ehemaliger Schüler unserer Schule trat oft als Festredner bei den Jugendweihefeiern auf.
1988 unterrichteten 31 Lehrer an unserer Schule etwa 300 Schüler, die in 16 Klassen aufgeteilt waren und denen 16 Klassenräume zur Verfügung standen. Das entspricht einem guten Klassendurchschnitt von 20 Schülern.
Die Modernisierung der Sportanlage in diesem Zeitraum führte zur erheblichen Verbesserung des Sportunterrichts. Mit der gesellschaftlichen Wende 1989 änderte sich auch die Schulstruktur. Seit dem Schuljahr 1991/92 ist unsere Schule eine 6-klassige Grundschule, die ab 1994 bis 2006 von Frau Helga Herrmann geleitet wurde. Zur Zeit leitet Herr Ralph Stieger die Schule.